Projekte in Argentinien

 Kooperationen

In Argentinien arbeiten wir zusammen mit der dortigen evangelischen Kirche. Die Iglesia Evangelica del Rio de la Plata (IERP) unterhält ein eigenes Programm für Langzeitfreiwillige (Programa de Voluntariado) aus Deutschland. Ricardo Schlegel von der Area de Diaconia y Proyectos koordiniert die Einsatzstellen und betreut die Freiwilligen. So organisiert er z.B. in jedem Jahrgang drei Begleitseminare für die Freiwilligen. Die IERP empfängt jedes Jahr in ihren kirchlich-diakonischen Projekten rund 40 Freiwillige von ihren deutschen Partnerorganisationen (u.a. die die Evangelischen Landeskirchen in Baden, Hannover, Westfalen und Württemberg).

Weitere Informationen über die IERP:
IERP – Iglesia Evangelica del Rio de la Plata


Unsere Stellen:

  • Escuela Bilingüe Takuapí

    Ruiz de Montoya / Takuapí

    Die bilinguale Primarschule Escuela Bilingüe Takuapí liegt im gleichnamigen indigenen Dorf Takuapí in der nordöstlichen Provinz Misiones an den Grenzen zu Paraguay und Brasilien. Hier gehen Kinder der Mbya-Guaranies zur Schule, die nicht nur eine andere Kultur, sondern auch eine völlig andere Muttersprache haben.


    Die Hauptaufgabe des Freiwilligen ist die Gestaltung des Computerunterrichts auf Spanisch an zwei Tagen der Woche für alle Kinder vom Kindergarten bis zur siebten Klasse. Das Ziel ist es, die Kinder mithilfe von Rahmenthemen wie z. B. Farben, Formen, Mathematik, Tiere, Körperteile oder Geografie sowie didaktischen Spielen, Arbeitsblättern, Geschichten und Liedern an das Medium Computer und gleichzeitig die Fremdsprache Spanisch heranzuführen. An den anderen Vormittagen kann beim Kunst- und Sportunterricht sowie im Kindergarten mitgeholfen werden. Bei der Unterrichtsplanung und -vorbereitung gibt es Unterstützung von der schweizer Projektleiterin Barbara Schoch, die als ehemalige Kindergärtnerin mit ihrem Wissen über spezielle Lernstrategien und die Kultur der Mbya eine große Hilfe ist. Der Freiwillige lebt in dem kleinen, ländlichen Dorf Ruiz de Montoya mit seinen Mitfreiwilligen zusammen in einer Wohnung auf dem Gelände eines argentinisch-schweizerischen Internates.

    Die Mbya-Guaranies wohnen weitestgehend isoliert von der „weißen Welt“ in eigenen Dorfgemeinschaften, haben eine eigene Sprache, Religion, Weltanschauung etc. Der vorherrschende Rassismus, der sich gegen sie richtet, wird an verschiedenen Stellen erfahrbar und spürbar. Eine Herausforderung ist es daher, mit dem Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen bewusst umzugehen.

    „Die Escuela Bilingüe Takuapí befindet sich direkt neben der gleichnamigen Siedlung, in der etwa 40 indigene Familien wohnen. Sie gehören zu den Mbya, ein Stamm der in Paraguay, Argentinien und Brasilien lebenden Guaraníes. Die beiden Sprachen Mbya und Guaraní werden nur mit einem leicht geöffneten Mund und wenig Stimmvolumen gesprochen, […] wobei wir uns mit dem Merken und der Aussprache der fremden Wörter und Laute manchmal noch schwer tun. Doch ich bin sehr motiviert, wenigstens die wichtigsten Floskeln zu lernen, die man bei Begrüßung, Abschied und in der Schule braucht! Dabei helfen uns – neben den Kindern natürlich – der „Kazique“ Hilario (Siedlungsoberhaupt) und die vier Hilfslehrer aus dem Dorf, die den Lehrerinnen im Unterricht vor allem beim Übersetzen ins Spanische zur Seite stehen. Denn für die Kinder ist Spanisch (genau wie für mich) eine Fremdsprache, die sich von ihrer Sprache etwa so unterscheidet wie Deutsch und Chinesisch. Eines der wichtigsten Ziele der Schule ist daher, dass die Kinder Spanisch lernen, um sich später im argentinischen (Arbeits-)Alltag zurechtzufinden.“

    Ole Depenbrock, Argentinien

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  • HODIF – Buenos Aires

    Flores – Buenos Aires

    Die Organisation HODIF betreibt Wohngruppen und Zentren für Menschen mit (vorwiegend Körper-) Behinderungen im Großraum Buenos Aires. 2008 hat das engagierte HODIF Team ein Übergangswohnheim und Tageszentrum für wohnungslose Menschen mit Behinderung eröffnet, dessen Struktur nach und nach auf- und ausgebaut wird. In 2009 werden voraussichtlich etwa 30 Menschen in der Einrichtung leben und weitere 20 Tagesplä̈tze geschaffen sein. Die Behinderungsformen sind vielfältig (Sinnesbehinderungen, Querschnittslähmungen, Spastiken etc.), viele Besucher weisen Verhaltensauffälligkeiten und psychiatrische/psychische Störungen auf.

    Der/die Freiwillige begleitet u.a. den regelmäßigen Tagesablauf der Bewohner: Wecken, Mahlzeiten, Arzt- und Behördengänge, Gespräche, Spiele, Ausflüge. Hinzu kommen z.B. Teilnahme und Unterstützung der regelmäßigen Freizeitangebote (Handarbeiten, Theater- und Bewegungsworkshops, Musik etc.) sowie die Entwicklung und Durchführung eigener Angebote: Computer-, Englisch-, Musikkurse etc…

    „Grundsätzlich bin ich eine zusätzliche Kraft, die etwas Entlastung für die Pfleger und auch die Bewohner bietet. Aber hauptsächlich besteht meine Aufgabe darin, mit den Bewohnern Zeit zu verbringen, ihnen bei alltäglichen Aufgaben zu helfen und etwas Abwechslung zu bieten. So beginne ich täglich um 8:00 Uhr meine Arbeit im Projekt. […] Der Vormittag läuft jeden Tag etwas anders ab. Ricardo begibt sich oft an seinen PC und schreibt an seinem zweiten Buch oder surft im Internet. Gelegentlich gehen wir zusammen zum Chino, ich schneide ihm seine Fingernägel oder wir sitzen draußen in der Sonne. Daniel möchte gerne oft mit mir spazieren gehen. Dann gehen wir quer durch den Stadtteil, wobei Daniel den Weg vorgibt. Meistens gehen wir zur Bahnstation und schauen den Zügen bei der An‐ und Abfahrt zu. An regnerischen Tagen gesellt er sich gern zu Ricardo und Oswaldo ins Arbeitszimmer.“

    David Linkiewicz, Argentinien

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  • FUNDACIÓN ANGELLELI – Buenos Aires

    Florencio Varela – Buneos Aires

    Die Fundación Angelleli unterhält mehre Gemeinschafts- und Jugendzentren in den verschiedenen Barrios (Armenvierteln) von Florencio Varela, einer Stadt im Großraum Buenos Aires. Florencio Varela hat mit einer hohen Arbeitslosigkeit und viel Armut zu kämpfen. 50% der fast 350.000 Einwohner leben unter der Armutsgrenze.


    Die beiden Freiwilligen arbeiten jeweils in einem Jugendzentrum mit. Sie helfen bei den Hausaufgaben, spielen mit den Kindern und Jugendlichen und unterstützen die pädagogischen MitarbeiterInnen bei allen Tätigkeiten.

    „Im Moment helfe ich viel bei der Essensausgabe, helfe bei Bastelangeboten und beim Backen, spiele mit den Kindern in der „hora libre“ (das ist ihre freie Zeit kurz vor der Merienda, dem argentinischen Gegenstück zu Kaffee und Kuchen) und gebe Nachhilfe in Mathe und in Rechtschreibung. Auch nach gut zwei Monaten im Projekt ist es für mich immer noch schwer zu sehen, wie eine 11-Jährige vor mir sitzt, und sich bei der Unterscheidung von Addition und Subtraktion schwer tut. Es gibt aber auch schon viele Kinder, die Multiplikation und Division beherrschen. Mit ihnen übe ich im Moment das kleine 1×1 auswendig. Gar nicht so leicht, wenn eine Tabelle mit den Lösungen immer auf dem Tisch liegt, und die Kids in die Versuchung geraten, kurz auf den Zettel zu spinksen! Hinzu kommt, dass man wirklich viel Geduld mitbringen muss! Denn es kommt nicht selten vor, dass die Kinder keine Lust mehr haben, gefrustet sind, und lieber draußen spielen wollen, als zu lernen. […] Seit zwei Wochen biete ich einmal in der Woche einen Spiele‐Taller – eine Spielestunde – an. Momentan geht das noch nicht ohne vorgeschriebene Notizen, um die Spiele zu erklären, aber meine Chefin unterstützt mich sowohl beim Anleiten als auch bei der Sprache, wo sie nur kann! […] Wenn alles gut geht, biete ich ab Mitte November/Anfang Dezember einen Judotaller für die Jungs an. Er soll einmal in der Woche stattfinden! Dafür brauche ich allerdings selber noch ein bisschen Vorbereitungszeit, vor allem was das Spanisch und die nötigen Erklärungen angeht.“

    Kathrin Hennes, Argentinien

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  • IGLESIA REFORMADA – ARCA DE NOE

    Mar del Plata

    Die Reformierte Gemeinde in Mar del Plata unterhält am Rande eines Armenviertels einen Jugendtreff, der jeden Nachmittag für Kinder und Jugendliche aus dem Quartier offen steht.


    Der Freiwillige unterstützt die beiden Pädagoginnen bei allen Aktivitäten im Club de niños. Neben dem Club de Niños besteht die Möglichkeit, die Mitarbeiter beim Verkauf von gespendeter Kleidung zu verkaufen und in einem Orchester mitzuspielen.

    „Der Club de Niños findet jeden Tag für zweieinhalb Stunden statt. Hier kommen Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen nach der Schule hin, wir helfen ihnen bei den Hausaufgaben und spielen mit ihnen Spiele. Ich weiß, dass ich an der Familiensituation der Kinder nichts ändern kann und das macht mich oft sehr traurig. Aber ich versuche einfach, ihnen all meine Aufmerksamkeit und Zuneigung zu schenken, damit sie zweieinhalb Stunden lang eine schöne Zeit haben. Jeden Dienstag und Donnerstag sitze ich morgens mit drei etwas älteren Damen im Ropero – das ist eine Art Second-Hand-Laden, in dem Leute zu sehr günstigen Preisen gespendete Kleidung kaufen können – und warte auf Kundschaft. Wir trinken zusammen Mate – das ist das Landesgetränk Argentiniens, an dessen Geschmack man sich erstmal gewöhnen muss – und machen aus alten Schaumstoffmatratzen Füllungen für neue Kissen, die Chola, die Älteste der Damen, aus Stoff näht und die auch zum Verkauf stehen. Beim Ropero kommt nichts weg, was man nicht noch gebrauchen könnte. Wir haben zum Beispiel eine alte Winterjacke mit Wattefüllung bekommen, die am Rücken schon so kaputt war, dass man sie nicht mehr anziehen konnte. Gemeinsam haben wir alle Reißverschlüsse aus der Jacke getrennt, die Wattefüllung rausgeholt und für die Kissen benutzt. Am Ende war nichts mehr übrig und die Jacke nicht mehr zu erkennen. Dafür hatten wir neues Füllmaterial und Reißverschlüsse, „die man immer gebrauchen kann“, wie Chola sagt.“

    Antonia Juhl, Argentinien

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  • FUNDACIÓN OTIUM

    Córdoba

    Die Fundación OTIUM befindet sich in Córdoba, im Herzen Argentiniens. Es ist ein Tageszentrum für Menschen mit vorwiegend leichten geistigen Behinderungen, die hier begleitet und gefördert werden, wobei die Wünsche und die persönliche Entwicklung des Einzelnen im Vordergrund stehen. In unterschiedlichen Workshops kann jeder seinen Interessen nachgehen.


    Das vielfältige Angebot reicht von Basteln über Kochen bis hin zu Gartenarbeit, Tanzen und Schwimmen. Der Freiwillige unterstützt bei den verschiedenen Tätigkeiten, begleitet einzelne Behinderte bei ihren Aufgaben, und kann auch eigene Ideen einbringen – je nach Interesse und Fähigkeiten.

    „Vormittags bin ich fest im Koch-Workshop, dem taller de cocina, wo ich mich sehr wohl fühle. Die profesora Ana und ich sind hier für die zehn Teilnehmer verantwortlich; sie erlernen Fähigkeiten im Bereich Kochen und können diese bestenfalls auch zu Hause anwenden. Die meisten arbeiten sehr selbstständig und gründlich, aber hier und da bedarf es auch mal ein wenig Unterstützung oder einfach nur einer Animierung zum Weitermachen. Oft kümmern wir uns um den Nachtisch für die ungefähr 40 Leute in der Fundación OTIUM, die Klassiker sind Obstsalat oder Wackelpudding mit Früchten. Aber wir haben auch schon Nudeln und Ravioli selbst hergestellt, sowie Apfeltorte gemacht, und anschließend innerhalb der Fundación verkauft. […] Ganz besonders ans Herz gewachsen ist mir in diesen zwei Monaten ein chico aus meinem taller namens Mario. Er hat in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere Menschen, denn das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden – daher der Name Trisomie 21 bzw. Down-Syndrom. […] Er kann nur einige wenige Wörter aussprechen und ansonsten nur Laute von sich geben, aber dafür sind seine Mimik und Gestik umso stärker ausgeprägt. Er imitiert sehr gern die Leute um ihn herum und so bekommt man zum Beispiel, wenn man ihn anlacht, automatisch ein strahlendes Lächeln zurück. Mit Mario kann ich manchmal minutenlang und ohne Grund lachen und er ist so voller Energie, dass man ihm seine 50 Jahre wirklich nicht anmerkt!“

    Henrieke Bornholdt, Argentinien

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